Es gibt kein Bier aus Stolzenfels




Wer - ob freiwillig oder auch nicht - auf dem Weg vom Süden dieses Landes in Richtung Westen mit der Deutsche Bahn unterwegs ist, der kann auf der überlasteten " Linke Rheinstrecke " nicht nur mit erheblichen Verspätungen rechnen, sondern dabei die angenehmeren Vorteile einer solchen Bahnreise über sich ergehen lassen. Dann nämlich, wenn der ICE zum Milchkannenexpress mutiert und statt mit 250 Km/h, sehr gemächlich an den dort gelegenen Haltepunkten vorbei zuckelt.

Das linke Rheinufer biete tatsächlich so manchen Hingucker. Da sind Weinberge zu sehen, an denen sich serpentinartige Wege hinauf schlängeln. Dort liegen Ortschaften, die eine hier typischen Fachwerkbaustil erkennen lassen, nahezu idyllisch an oder vor den Weinbergen. Das besondere, nahezu zeitvergessene Ambiente wird zudem von dem friedlich mäandernden " Vater " Rhein verstärkt.  

Doch eine solche Bummelbahnfahrt zeigt auch die hässlicheren Seiten der Region, die zwar heutzutage nicht nur von dem Winzern, dem Fremdenverkehr und einigen Tausend Arbeitsplätzen der Bundeswehr ( Bundeswehrbeschaffungsamt in Koblenz ) lebt, aber ökonomisch den großen Sprung in der dritte Jahrtausend verpasst zu haben scheint.

Wer also von Main über Bingen und Boppard nach Koblenz gelangt, hat in diesem Fall nicht nur die guten Seiten dieser Region sehen dürfen, sondern auch verlassene Gebäude, herunter gekommene Häuser und verwahrloste Grundstücke sowie geschlossene Hotels sowie Pensionen, deren Fassaden verwittern, die Mauern bröckeln und die Fenster mit längst morschen Bretter zugenagelt wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Linke_Rheinstrecke

Eine Besonderheit des schleichenden Niedergangs in Teilen dieser, zu dem Bundesland Rheinland - Pfalz zählenden Regionen, stellen die Betriebsanlagen der im Januar 2024 in die Insolvenz gegangenen " Koblenzer Brauerei " dar. Die einst unter dem Namen " Königsbacher Brauerei " bereits 1689 in der Rheinstadt gegründete Brauerei konnte bis dahin über eine sehr bewegte Vergangenheit verweisen. Hierbei änderte sich nicht nur die Brautechnik, die Belegschaft und die Biernamen des Betriebs, sondern auch der Eigentümer.

https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenzer_Brauerei

Nicht nur, weil der Bierhersteller dabei zum Spielball von europa - und weltweit agierender Konkurrenz wurde, nein, insbesondere wegen der sich stark veränderten Absatzmärkte, gelangte die " Koblenzer " in eine Absatzkrise. Daran konnte auch die Modernisierung des Werks am Rheinufer in den 1970er Jahren nur kurzzeitig etwas ändern. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenzer_Brauerei#Geschichte

Die ständigen Eigentümerwechsel und die unstete Verkaufsstrategien in der überforderten Geschäftsführung waren weitere Gründe dafür, dass die Traditionsbrauerei, so wie vor ihr eine Reihe anderer Brauerei, am 1. Januar 2024 für immer die Tore schließen musste.

Die lokale Berichterstattung hierzu betrachtet ein wenig wehmütig auf die Historie des Bierherstellers.

https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/koblenzer-brauerei-insolvenz-aera-geht-zuende-100.html

Ob die regionalen Bierhersteller, wie " Unertl " in Mühldorf, die unterfränkische " Karmeliter " - Bräu aus Salz oder die " Lang " - Brauerei im bayrischen Fichtelgebirge, sie alle können zwar auf eine Hundert Jahre währende Tradition verweisen, mussten jedoch, so wie 57 weitere Mitbewerber in dem Zeitraum von 2019 - 2023  den Betrieb einstellen.

https://getraenke-news.de/brauereien-unter-druck-schliessungen-nehmen-zu/

So könnten die zurück belassenen  Betriebe, die Anlagen sowie das dazu gehörende Areal vielleicht schon bald so aussehen?  

https://mosel-zweinull.de/brauerei-ruine-mesenich/

Ein verlassener Ort, ein Relikt aus der Vergangenheit, ein " Lost Place "?



MY SOLID GROUND  -  Melancholie  -  1971:




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