Freitag, 27. Oktober 2017

Abschied ist (k)ein leises Wort?




Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich - rechtlichen Rundfunk ( und Fernsehanstalten ) der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, hat ja bekanntlich 10 Mitglieder. Der Verein verfügt darüber hinaus über eine Viehzahl von Sendeanstalten oder auch Rundfunkhäuser. Er speist seinen Finanzbedarf aus den über die eingezogenen Zwangsbeiträge. Eines dieser Vereinsmitglieder nennt sich Mitteldeutscher Rundfunk, ebenso kurz: MDR.
Diese Sendeanstalt soll drei Bundesländer abdecken, deren Unterschiedlichkeit nicht nur in deren Namen liegt.

Der MDR wurde ja einst durch die Zerschlagung des einst staatlichen DDR Rundfunk - und Fernsehens neu gegründet. Ihr damaliger Intendant war Udo Reiter, Fernsehdirektor wurde Henning Röhl, ein bekennender Christ und jetzige Verantwortliche des Kleinstsenders " Bibel TV ". Auf Reiter folgte die Chemnitzerin Wille, die Bestrebungen unterstützt, den MDR aus dem Dunstkreis der oft kritisierten Ostalgie herauszuführen. Dieser wurde dem bis 2011 amtierenden Reiter als Sender - Verantwortlicher häufig vorgeworfen.

Häufig traf dieses allerdings für bestimmte Formate zu.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutscher_Rundfunk

Zu diesen zählt zweifelsohne die Sendung " Abschied ist ein leises Wort ", die seit 2000 von dem gebürtigen Dresdner Hans Teuscher und ab 2015 von Otto Mellies moderiert wurde bzw. wird.
Die inhaltlich eher substanzlose Sendung erinnert an verstorbene - nur oder überwiegend - DDR - Prominente, deren Leben dabei in den leuchtenden Farben geschildert wird.
Ein (ost)nostalgisches Machwerk, dass in der dunklen Jahreszeit, nämlich im tiefsten, kalendarischen Winter, dann, wenn der Mensch die Sonne so schmerzhaft vermisst, nach Weihnachten, ausgestrahlt wird.

Das hier jenen vermeintlichen Stars des DDR - Fernsehens und späteren Alimentierte n huldvoll gedacht wird, könnte die Sendung - unter Beachtung der Jahreszeit - doch tatsächlich sympathisch machen. Aber, wer sich so vehement in Ostalgie suhlt, erhält damit nicht nur Anhänger und unkritische Zuschauer.


https://de.wikipedia.org/wiki/Abschied_ist_ein_leises_Wort
https://www.wunschliste.de/serie/abschied-ist-ein-leises-wort/episoden#33794


So schrieb die " Focus " - Mitarbeiterin Carin Pawlak einen harschen Verriss über jene " Abschiedssendung ":

" Wer sich die Toten des Jahres im MDR angesehen hat, muss lernen: Wenn es um Promis geht, bleiben Ossis lieber unter sich. Schließlich hatte man einst dollere Stars als Helene Fischer und Inka Bause heute.
25 Jahre nach der Wende und 23 Jahre nach Einführung des Soli als Teil des Pakets „Aufbau Ost“ steht die Mauer noch fest. Zumindest im deutschen Fernsehen. Der MDR widmet den Toten des Jahres 2014 eine 90-minütige Sendung. Sie heißt „Abschied ist ein leises Wort“. Erstaunlich ist, dass Udo Jürgens, Joachim Fuchsberger und Karlheinz Böhm überhaupt vorkommen. Ansonsten lautet das Motto: Geschlossene Gesellschaft. "

Zitatende - aus: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/tv-kolumne-dummy-tv-kolumne-dummy_id_4350169.html

Es folgen dann einige Wortkonstruktionen ( " fernseh - reingedränelt " oder " sargtiefer " ), die zwar den MDR - Klamauk nach der Weihnachtszeit einen kritischen Unterton vermitteln, aber von der elendigen und öden " Ossi " - " Wessi " - Hetzkultur geprägt sind. Entsprechend der latent vorhandenen Vorurteile zu der ostdeutschen Leit(d)kultur ledert Pawlak nun ordentlich los.
Sie mäkelt an dem Format nicht nur herum, sondern sieht in der - zu sehr von Schmalz triefenden Sendung - eine virtuelle Mauer stehen. Die, aufgebaut aus den Ruinen der untergegangenen DDR, sich bei den Machern dieses Blendwerks in deren Hirnschalen fest verankert hat.

Es mag ja zutreffend sein, dass ein DDR - Sozialisierter auch nach fast 28 Jahren immer noch etwas anders tickt, als jene Schwester und der fromme Bruder aus dem immer noch wohlhabenderen westlichen Teil des deutschen Landes, dennoch dürfte klar sein: Niemand muss seine Herkunft verleugnen und schon gar nicht die Kultur drumherum. Und deshalb ist es legitime, wenn ein auf die Regionen bezogener Fernsehsender dieses versucht über bestimmte Formate wiederzugeben.

Allerdings sollte es auch hierbei Grenzen geben. Wenn Beiträge in unerträglichen Kitsch münden, wenn Wahrheiten so verklärt werden, dass sie sich beinahe in die Unwahrheit verdreht werden, dann sind diese Grenzen überschritten. Natürlich hat auch die mehr als 4 Dekaden existierende DDR ihre eigene Kultur gehabt. Wenn nun deren Exponenten, die so genannten Kulturschaffenden, sukzessive dort hin geraten, wo alle Menschen irgendwann landen, nämlich im Jenseits, dann dürfte es durchaus legitim sein, ihrer zu gedenken.

Ob sie nun parteitreu, Stasi - IM oder Devisenbeschaffer waren, sollte dabei keine Rolle spielen. Allerdings dürfte die völlig unkritische, die verklärend vorgetragene Erinnerung an jene Verblichenen, nicht der geeignete Weg dazu sein.

Wenn Pawlak in ihrem Beitrag für die Münchner Nachrichten - Postille hier gegen wettert, mag sie in der Tendenz richtig liegen, mit ihrem Fazit, dass " alle gut in der  DDR " gewesen sein muss, liegt sie jedoch voll neben der Spur. Es geht in der kritisierten Sendung nicht um eine Rechtfertigung der DDR - Kultur, wenn eine Sendung deren verstorbene Kulturgrößen lobhudelt, sondern eher um die Frage, ob es in einer derart kitschigen Art und Weise geschehen muss.

Verlogene Nostalgie gibt es ebenso in den alten Bundesländern. Da sollte Pawlak nur den Namen des Flughafens der bayrischen Landeshauptstadt heranziehen. Strauß war ein Demagoge, ein umstrittener Politiker und ein Handlanger der Industrie und Großfinanz, dennoch hat er einen Ehrenplatz in Bayern erhalten.

Pawlak hin, Inka Bause, Ina Müller und Helene Fischer her: Schwachsinn mit schwachsinnigen Argumenten zu kritisieren ist eben dann auch Schwachsinn!



" Jane " - " Way To Paradise " - 1970:




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