Dienstag, 17. Oktober 2017

" Der rote Schatten " und der Versuch einer fiktiven Vergangenheitsbewältigung.


Am 29. November 2020 ( ! ) könnte die ARD - Serie " Tatort " ihren 50 ( ! ) Geburtstag oder auch das 50jährige Jubiläum feiern. Unter den aktuellen Gegebenheiten, wird dieses wohl auch so geschehen. So mancher " Tatort " - Fan könnte diesem Ereignis durchaus entgegen fiebern. Schließlich ist diese Serien längst zu einer gesamtdeutschen Institution geworden.

Aus den 1031 Folgen werden dann einige heraus ragen, andere längst vergessen worden sein und viele Schauspieler jenes Ereignis nicht mehr erleben dürfen.

Als am Sonntagabend der Südwestfunk ( swr ) erneut einen Beitrag für die feste Größe in der bundesdeutschen Fernsehlandschaft zeigen durfte, war ich mehr als skeptisch. Inhaltlich befasste sich diese " Tatort " - Folge mit den Geschehnissen vor gut 40 Jahren. In der Bundesrepublik Deutschland ( damals noch umstrittenes Kürzel: " BRD " ) saßen die Frauen und Männer der so genannten Ersten Generation der " Rote Armee Fraktion " ( RAF ) in Stuttgart - Stammheim in Haft. Die Gruppe ( sie wurde auch als Bande bezeichnet ) um Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin u.a. hatten über ihre bestehenden Kontakte mit anderen Terroristen den Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Hanns Martin Schleyer entführen lassen und wollten hierdurch ihre Freilassung erpressen. Dieser Plan ging nicht auf. Die Geiselnehmer erschossen Schleyer.
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Schleyer-Entführung

In Anlehnung an diese Abläufe im Oktober 1977 sendete als der swr eine " Tatort " - Folge.
Eine fiktive Sendung also, die mit der einstigen und inzwischen als sicher ermittelten und festgestellten Realität der Ereignisse im " Deutschen Herbst " 1977 nur mit Wohlwollen etwas zu tun haben konnte. Der Film " Der rote Schatten " lässt nämlich offen, ob die dortigen Gefangenen der RAF durch Suizid oder durch Mord starben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tatort:_Der_rote_Schatten

Die fiktiven Handlungen in der " Tatort " - Folge sind somit nicht mit denen aus der Historie der Abläufe von 1977 vergleichbar. Wer hier Rückschlüsse zieht und jenen Kriminalfilm als mit dem Herbst von vor 40 Jahren vergleicht, handelt wahrheitswidrig und verhöhnt indirekt die vielen Opfer der RAF - Mörder. Gleiches gilt für jene Berufshetzer aus dem Hause Springer, vornehmlich dem Latrinenblatt mit den vier Buchstaben.

Aber auch der Oberguru für die Aufarbeitung der RAF - Historie Stefan Aust, der ehemalige " SPIEGEL " - Mitarbeiter sowie Autor des Sachbuches " Der Baader - Meinhof - Komplex ", sollte sich bei einer Bewertung des obigen " Tatorts " eher gelassen zurück lehnen, in seinem Privat - Reiterhof den Schaukelstuhl nehmen und seine kassierte Tantiemen aus dem Verkauf dieses Buches sowie die üppige Abfindung im Zusammenhang mit dem erfolgten Abgang als Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins weiter zählen.
Von einer " gefährlichen " Verdrehung der Tatsachen rund um den Freitod der inhaftierten Terroristen Baader etc. kann in dem " Tatort " beim besten Willen nicht die Rede sein.

Ein Spielfilm bleibt auch ein solcher, selbst wenn er auf einen realen Ablauf basiert. Fiktion und Realität und Wahrheit sollten zusammengehören; Fiktion und Wunsch sind indes zwei andere Ebenen.
Der letzte " Tatort " liegt irgendwo dazwischen. Das war von seinen Machern so gewollt. Daraus irgendwelche gesellschaftspolitischen Risiken abgleiten zu wollen, ist unseriös. Typisch für jene Gossen - Presse, eben.


" Can " mit " She Brings The Rain " - 1970:


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