Dienstag, 20. März 2018

Wohlstandsmüll



Vor einigen Tagen las ich in einer älteren " SPIEGEL " - Ausgabe, dass ein Helmut Maucher im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Der Name sagte mir zunächst eher nichts. Auch als ich dazu die Information erhielt, dass der Verstorbene Manager und Generaldirektor des Lebensmittelkonzerns Nestle´war, konnte ich mit dem Namen immer noch nichts anfangen.
Erst als in dem Kurzbericht erwähnt wurde, dass Maucher 1997 mit dem Begriff " Wohlstandsmüll " 1997 das so genannte " Unwort des Jahres " kreiert hatte, konnte ich mich an Maucher erinnern.

Maucher formulierte einst:

Unsere Arbeitslosen werden relativ gut bezahlt. Und wir wissen, daß mit Prosperität auch – und das ist ein hartes Wort – ein gewisser ‚Wohlstandsmüll‘ entsteht: Leute, die saufen, Drogen nehmen, sich abgemeldet haben. Für Menschen die wirklich arbeiten wollen, gibt es immer noch Arbeit.

Zitatende aus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wohlstandsmüll

In diesem Jahr stieg die Arbeitslosenquote auf sagenhafte 11, 4 % aller erfassten Erwerbslosen. Nominell waren 4, 384 Millionen Arbeitslose registriert. In den Neuen Bundesländer wurden 18,1 % Arbeitssuchende erfasst.

https://www.wissen.de/deutschland-1997

Damit geisterte immer noch der Begriff Massenarbeitslosigkeit in den Medien herum.

Das Maucher als übermäßig gut bezahlter Mitarbeiter eines Weltkonzerns in diesem Zusammenhang von " Wohlstandsmüll " fabulierte, ist nicht nur zynisch sondern auch menschenverachtend gewesen.

Am 5. März 2018 verstarb Maucher in Homburg vor der Höhe, Er wird nach 1997 nie mit dem damaligen Arbeitsamt oder der späteren Arbeitsagentur als Arbeitsloser, später auch " Kunde " genannt, in irgendeiner Form etwas zu tun gehabt haben. Maucher wird mit Sicherheit auch kaum wissen, was es heißt von Sozialtransfers leben zu müssen. Ob diese nun Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe und hiernach Alg I, II bzw. " Hartz IV ", heißen ist dabei völlig unerheblich.

Dennoch schwang sich dieser arrogante Knilch auf und schwadronierte in der Öffentlichkeit über Arbeitsunwillige, Arbeitsunfähige als " Wohlstandsmüll ". Ein Schlag in das Gesicht eines jeden Betroffenen. Ob er nun verschuldet oder unverschuldet von diesen staatlichen Leistungen abhängig gewesen war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Maucher

Das Maucher damit das " Unwort des Jahres " geprägt hat ist deshalb nachvollziehbar, wenngleich er damit mehr öffentliche Aufmerksamkeit erlangte als ihm lieb sein konnte. Maucher gehörte zudem einer Genration an, die einst einer genauso menschenverachtenden Ideologie zugetan war. Einer Generation also, die Aderdenkende in KZs ermordete, dort Millionen von Menschen wegen ihrer jüdischen Herkunft vernichtete und damit eine rassistisch orientierten Gesinnung hoffähig machte.
Die darauf basierte Politik führte zum II. Weltkrieg, den Maucher als Jugendlicher noch miterlebte. Gelernt hatte er hieraus offensichtlich kaum etwas. Sonst hätte er 52 Jahre nach Kriegsende nicht in dieser abfälligen Weise über Menschen geurteilt.

" Wohlstandsmüll " ist einer der widerlichsten Begriffe in der langen Litanei der Unworte.
Die Kohl - Kohorten haben ihm sogar noch das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ein Unding!


" Sesiones Acidas " aus Spanien mit " Sound To The World " - Album: " Espacio Negativo " - 2008:




  

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