Mittwoch, 28. März 2018

Post vom Finanzamt Dresden - Süd



Heute lag er - zuvor per motorollerisierten Boten eines Privatunternehmens in unseren schmucken Briefkasten bugsiert - vor mir, der Bescheid über die Festsetzung von  Einkommensteuer und - immer noch - Solidaritätszuschlag. Durch die letztgenannte Begrifflichkeit werde ich nolens volens immer an den von mir verachteten und verstorbenen Alt - Kanzler Kohl erinnert, was meine Sympathie für diesen Unfähigen natürlich nicht steigert.

Ich riss den standardisierten Briefumschlag auf und las das, was mir zuvor in böser Vorahnung durch meine grauen Zellen geisterte: Der Bescheid ist falsch, rechtswidrig, anfechtbar. So, wie es mehr als 50 % aller Steuerbescheide, die die Finanzbehörden jährlich erlassen, auch sind.

Und tatsächlich, das Finanzamt Dresden - Süd hatte einen Rückerstattungsbetrag ermittelt, der nicht einmal einem Drittel der von mir zuvor grob überschätzten Summe entsprach. Ich begann zu fluchen. Erst leise, dann lauter. Nein, das konnte doch nicht wahr sein. Jedes Jahr die gleiche Scheiße, jedes Jahr der gleiche Dreck ( frei nach einem Titel des Liedermachers Hans - Eckardt Wenzel - " Wenn wir warten " ).

Laut fluchend begab ich mich vom Briefkasten in das Haus. dann griff im zum Handy und rief meine bessere Hälfte in Chemnitz an. " Das Finanzamt hat den Einkommensteuerbescheid geschickt. ", sagte ich zu ihr. " Und? ", antwortet sie mir. " Scheiße, Dreck, die Blö...., die Ar..., die Unfä... Ar...! ", meckerte ich sie voll.

" Ich lege sofort Einspruch ein ! ", kommentierte ich weiter. Erst einmal in Brast geraten, schwadronierte ich über eine kürzlich veröffentlichte Statistik, wonach die langsamsten Finanzämter in Hamburg und Bremen festgestellt worden seien. So ein Blödsinn, habe ich mir damals schon gesagt. Was nutzt mir die Geschwindigkeit bei der Bearbeitung der Steuererklärung, wenn dann nur Mumpitz heraus kommt?

Schwachsinnige Erhebungen von noch schwachköpfigeren Menschen, die mit Schwachsinn, den sie unter die Leute streuen auch noch Kohle machen. Egal, damit habe ich immer noch keinen korrekten Einkommensteuerbescheid 2017.

Ich schaute mir den ausgedruckten Schwachsinn genauer an. Natürlich fehlte - wie beinahe in jedem zweiten Steuerbescheid seit 2005 - die Fahrkostenberechnung als Werbungskosten. Deshalb errechnete die Sachbearbeiterin sogleich die Sonderausgaben und ließ die Werbungskosten einfach unter den Tisch fallen. So lässt sich natürlich auch zugunsten des Fiskus viel Geld sparen, denn die so genannte Pendlerpauschale macht einige Tausend Euro aus.

Und - mal ganz ehrlich - wer zahlt schon gerne Geld zurück?

So grübelte ich den ganzen Abend darüber nach, wie der Ex - Ministerpräsident des Freistaates Sachsen Tillich, einst in einem Interview mit dem MDR und anderen Medienvertretern auf das Fantasiebild gekommen sein konnte, dass in der sächsischen Verwaltung nur gut ausgebildete und hoch qualifizierte Bedienstete tätig seien. Ich vermute, er hat zu viel " Raumschiff Enterprise "  ( Star Trek " )   seit 1969 gesehen. da ließen sich die Besatzungsmitglieder zu anderen Orten einfach " beamen ". Das wird er dann vermutlich irgendwann in seine - ach so tolle - Verwaltung weiter delegiert haben. Deshalb ist die Sachbearbeiterin des Finanzamtes Dresden - Süd, immer dieser Tillich´schen Utopie folgend, auf die irrwitzige Idee gekommen, die Fahrkosten meiner besseren Hälfte von Dresden nach Chemnitz zur dortigen Universität einfach zu ignorieren, sie unter den berühmten Teppich zu kehren, weil meine Frau ja - im 3. Jahrtausend angekommen - den " Beamerdienst " des TU Chemnitz in Anspruch nehmen kann, ihr somit keine Fahrkosten entstehen und sie deshalb diese als Pendlerpauschale unter dem Abschnitt " Werbungskosten " nicht einsetzen kann.

Aha!

" Beam Me Up, Tillich /  Kretschmer / Finanzmat Dresden - Süd ! "
Auf schwarzen Sohlen, still und heimlich, vorwärts in das nächste Jahrhundert. Da gibt es dann Lufttatxis, so, wie sie die dümmliche CSU - Tante Dorothee Bär kürzlich eingefordert hat. Zuvor aber, möchte ich mein Recht, unsere Pendlerpauschale und vor allem die Kohle aus dem schwarzen Topf des Freistaates!

Es lebe der freie Staat, es lebe das Finanzamt Dresden - Süd, es lebe hoch....!



Povl Dissing und " Burnin´Red Ivanhoe " aus Dänemark - " Wallifanten stjernen " - 1971:




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