Montag, 23. Juli 2018

Fuchs auf der Pirsch - Fox on the run.



Wieder so ein Montag! Nach einer subtropischen, vielleicht sogar tropischen Nacht, bei zirka 20 ° C, kam der erholsame Schlaf erst spät und dann auch noch in Etappen. Der für mich ansich untypische Harndrang, den die schwachsinnige Werbung mit ihren " forte " - Präparaten angeblich lindern, mindern oder gar verhindern möchte, ist zwar ein Alt - Herren - Problem, doch in dieser schwülen Nacht eher dem Umstand geschuldet, dass ich auch noch abends mehr als einen Liter Mineralwasser in mich hinein geschüttete hatte. Die mehr als 6 1/2 Jahrzehnte alte Blase meldete sich sodann gegen 0.30 Uhr.

Ein Kater begleitete mich zum Klo. " Nö, mein Gutster, jetzt gibbet et nix zu Äten! " Nach der erholsamen Entleerung der Blase - natürlich im Sitzen - zog der jute " Timmy " ( Tim, nach des SVW - Spieler Tim Borowski ) wieder von dannen. Er hatte geschnallt, dass ich noch völlig schlaftrunken, nicht die mehr als ein Dutzend Treppenstufen herauf krauche, um ihn zu versorgen.

Gegen 4.45 Uhr war dann aber die Nacht endgültig zu Ende. Ein lautes Gekrächze eines Gartengastes ließ mich aus dem Schlaf hoch schrecken. Es hörte sich nach eine etwas größeren Tierchen an, dass da im üppigen Grün ( bis auf den Rasen, der inzwischen verbrannt sein dürfte ) sein Unwesen trieb.

Ich schälte mich aus dem Bett. Wie gerädert mühte ich mich die Treppe hoch. Doch, welch´Wunder: Kein Vierbeiner zu sehen. Dann mühte ich meinen abgeschlaften, gealterten Körper ins Bad. Erfreulich war dort nur, dass mich der blitzende Designer - Wasserhahn, exakter: Die Waschtischarmatur, anstrahlte. Und dieses auch ohne Deckenlicht.

Mein Gang in die Küche fiel mir jetzt schon etwas leichter. Es war draußen zwar noch schummerig. aber ich konnte immerhin aus dem Küchenfenster das Grün des Gartens erkennen. Ich knipst dennoch das Licht an, stellte den Becher unter den betriebsbereiten Kaffeeautomaten und holte die tatsächlich kühle Milch aus dem Side by Side, der vor sich hin brummte. Das Geräusch stört mich zwar immer noch, aber wir werden keinen Ersatz mehr beschaffen.

Dann war das Internetradio dran. Mit der anderen Hand kramte ich den " SPIEGEL " - Stapel aus der Schublade des Küchenschranks. Das gute Stück, eine exzellente Tischlerarbeit aus einem kleinen Kaff in dem Bundesland Rheinland - Pfalz, an der hessischen Grenze liegend, wird mit umziehen; der brummende " Samsung " - Bruder nicht.

Die MDR aktuell - Nachrichten sendeten als Aufmacher den Bundes - Mesut, der ja seine Demission aus dem DFB - Haufen erklärt hat und dabei eine Generalabrechnung mit den Hetzern, den Medien und Grindel, dem dritten Präsidenten, unter dessen Fuchtel er zu stehen glaubte, vornahm.

Richtig so, Mesut!

Dann folgten Meldungen über den Oberdruiden der Rechten in den USA, Steve Bannon, ein Bericht von einem Regionalkino in Bad Dürkheim und über die Möglichkeiten, einen nicht gefallenen Vornamen los zu werden. Dabei wurden einige jüngere Münchner befragt, welcher Name ihnen sehr missfällt. Aha, Chantal, sei also " asozial " und Kevin " uncool " sowie " Ronny " total nervend.
Beim Hören dieses, natürlich aus Bayern kommenden Beitrags, fiel mir ein Episode mit dem verstorbenen SPD - Granden Herbert Wehner ein. Er konterte einen sich über die alphabetische Sitzordnung beschwerenden Bundestagskollegen im Bonner Plenarsaal mit den Worten aus: " Herr Kollege Zylinski, lassen Sie sich doch einfach in Arschloch umbenennen, dann sitzen Sie zukünftig immer in der ersten Reihe! ".
Wie recht er auch in diesen Fällen hätte.

So verging eine knappe Stunde, bei zwei Pott Kaffee, MDR aktuel und der " SPIEGEL " - Lektüre.
Es war inzwischen längst hell. Ich deckte den Frühstückstisch für 1 1/2 Personen. Meine bessere Hälfte hält sich hier morgens dezent zurück und trinkt nur Kaffee. In dieser Zeit stellte ich den brummenden Kühlschrank und damit auch das Radio aus. Es herrschte Ruhe. Mein Frühstücksei war dieses Mal gelungen und weder betonhart, noch glibberig und ließ sich tatsächlich pellen.

Meine bessere Hälfte erschien und wir unterhielten uns ein Viertelstündchen am spärlich gedeckten Tisch. Unsere Vierbeiner hatten ihren Stippvisite bereits absolviert und verteilten sich im Garten oder sonst wo. Katzen sind da ja sehr individuell. Sie haben zwar ihre Gewohnheiten, aber mögen auch - der Neugier gehorchend -  das Unbekannte.

Als ich, eher zufällig, aus dem Küchenfenster schaute, sah ich ihn - Meister Reineke Fuchs. Es war ein noch junger Fuchs. Vermutlich ein Rotfuchs, denn sein Fell sah rötlich aus. Ob es das gleiche Tier war, das ich im letzten Jahr beobachtete und das unserer Nachbarin morgens im dortigen Garten über den Weg lief, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich vermute, dass Reineke seinen Bau in dem Waldhain am FKK - Freibad Dölzschen hat. Dort ist es eigentlich etwas ruhiger. Es fahren kaum Autos auf der Zuwegung zum Bad und  dieses Areal liegt zudem sehr geschützt.

Reineke hatte etwas in seiner Schnauze. Ich konnte die Beute nicht erkennen. Es sah nach einem Rest aus unserem Abfalleimer, den ich vor einigen Tagen auf dem Kompost ausgekippt hatte aus. Ich beobachtete Reineke und sah, wie unser Kater Tim sich mit einem monsträösen Katzenbuckel ihm entgegen stellte. Hier kommst du nicht weiter, das ist mein Zuhause, mein Revier, du Eindringling, wollte der stattliche Kater ihm damit signalisieren. Reineke indes ließ sich nicht von seinem Plan, seine Beute zu vertilgen, abbringen. Er verspeiste den Wurstrest noch auf dem Rasen.

Ich ließ meine bessere Hälfte an den Rasen - Schauspiel teilhaben. Gemeinsam bestaunten wir noch eine sehr kurze Zeit die Begegnung Fuchs mit Katze. Dann entschwand Reineke irgendwo über den Nachbargarten.

Füchse sind in bewohnten Regionen, auch außerhalb von Waldstücken, häufig zu sehen. Die vordringende Zivilisation hat sie längst erfinderisch gemacht. So, wie Wildschweine in Berlin zu einer Plage geworden sein sollen und Waschbären in Hessen, ganze Schuppen und Häuser auf den Kopf stellen.

Der Mensch hat die Natur aus dem Gleichgewicht gebracht, jetzt holen sich die vertriebenen, die bedrohten und eingezwängten Mitbewohner, einen Teil ihres angestammten Refugiums zurück und ärgern die Menschen, die dort eingedrungen sind.

Reineke Fuchs in Dölzschen / Naußlitz in den Gärten auf der Pirsch. Das wird nicht nur immer, sondern wohl immer öfter vorkommen.


" Ampacity " - " Molton Boron " - " Superiluminal " - 2013:




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