Dienstag, 17. Juli 2018

Handy - Smartphone -iPhone - Mania!



Als ich vor beinahe 22 Jahrent mein erstes Mobilfunktelefon, das später nur noch " Handy " bezeichnet wurde, bei der zum größten Teil nicht mehr existierenden Firma " Hagenuk " in  Kiel ( https://de.wikipedia.org/wiki/Hagenuk ) erwarb, kam ein Vertriebsmitarbeiter des Anbieter sogar persönlich in meine Kanzlei, um mit mir den Kaufvertrag durchzugehen und die übrigen Modalitäten zu besprechen. Einige Tage danach lieferte die Deutsche Bundespost das " Hagenuk GSM " in der anthrazitfarbenen Ausführung mit einer ausziehbaren, zirka 10 cm langen Teleskopantenne

https://www.pinterest.de/pin/196891814932858013/

Das mobile Telephon war gerade noch als handlich ( davon die Ableitung " handy " ) zu bezeichnen; dafür sündhaft teuer ( so um die 500 DM ) und natürlich mit - für heutige Verhältnisse - eklatanten, technischen Unzulänglichkeiten behaftet. Aus dem fahrenden Auto konnte der Nutzer nur über eine zuvor am PKW - Dach anzuklemmende Antenne nebst dazu gehörigen Adapterkabel telefonieren. Der Empfang war zudem eher gewöhnungsbedürftig. Das lag aber wohl eher an der noch sehr lückenhaften Mobilfunkabdeckung. Das Zubehör kostete zudem satte 69 DM. Dann folgten weitere 50 DM einmalige Anschluss - und Freigabegebühr sowie laufende Grundkosten von etwa 29 DM. Die Gesprächsminute belief sich auf etwa 60 Pfennig. Die Berechnung und Taktung erfolgte in 60 Sekunden - Intervallen. Wer also 61 Sekunden telefonierte, der hatte für 2 Minuten zu zahlen.

Insgesamt betrachtet, war das für damalige Verhältnisse eine sehr kostspielige Angelegenheit. Dennoch war ich stolz wie Oskar, denn so viele Mobilfunktelefone gab es zu jener Zeit nicht.



 http://www.spiegel.de/einestages/mein-wirklich-erstes-handy-a-950094.html



Das Telefonieren mit dem Taschending wurde dazu zu einem lukrativen Tummelfeld für verbematete oder freischaffende Jurosten. Ob es nun die " Knebelverträge " von einst oder undurchsichtige Telefonkostenabrechnung waren, die Damen und Herren aus meiner Zunft durften sich auch hier weidlich auslassen. Dazu zählte jedoch ein gewisses Quantum an Sachverstand. Diesen konnte sich jeder Anwaltskonkurrent u.a. dadurch erwerben, indem er selbst ein Mobiltelefon besaß.

In jenen wilden Entwicklungsjahren kam es somit nicht selten vor, dass einige Mandaten mit exorbitant hohe Teletonkostenabrechnungen in mein Büro hinein geschneit kamen, die pure Verzweiflung, ja, gar die Angst, in den kleinen Augen. Da hatte ein Mehmet mit seiner Freundin und der Familie einige längere Gespräche in sein Heimatland geführt und zudem exzessiv innerhalb der Stadtgemeinde Bremen herum telefoniert. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Es wurden Kosten in vierstelliger DM - Höhe in der vor mir liegenden Papierrechnung ausgewiesen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Bei so manchen Vieltelefonierer, der keine technisch mögliche Sperre in Anspruch nahm, ging diese Sucht dann ruckzuck ans Eingemachte. Rechnungen nicht bezahlen, hieß auch damals schon, Anschlusssperre, Mahn - und Vollstreckungsbescheide, Gerichtsvollzieherbesuche und SCHUFA - Einträge bis die Schwarte krachte. So manche Existenz, vielleicht gar eine Berufskarriere, wurde dadurch zunichte gemacht.

Der wahre Handy - Wahn ging aber erst einige Jahre später los, als einst führende Firmen wie " Nokia ", " Motorola ", " Siemens " etc. billigere Taschentelefone auf den Markt brachten, als die Gebühren ständig sanken, weil die Konkurrenz auf dem Milliardenmarkt größer wurde und das Handy als Statussymbol galt. Dass einige Reiche, Neureiche und solche, die vorgaben Solche zu sein, dann auch noch vergoldete, mit Edelsteinen besetzte und zudem eine handvoll und darüber hinaus, dieser Geräte dem einfachen Bürger zur Schau stellten, war die Handy - Mania der ersten Dekade beinahe schon vorbei.

In der Zwischenzeit hatte ich den " Hagenuk " - Vertrag längst gekündigt, war auf " Nokia " und " D2 " umgestiegen (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nokia-Mobiltelefone#Nokia_2xxx ). Die jetzt kleinereen " Nokia " - Handy ( 2210, 3310... ) gab es mit Vertragsbindung nahezu umsonst. Die Funktionen wurden langsam ausgeweitet. Es konnten eher noch simple Spiele zum Zeitvertreib gespielt ; diverse Klingeltöne eingestellt und eine Reihe anderer Einstellungen vorgenommen werden.

Die " Handy - Mania " uferte somit weiter aus. Es gab Haushalte, da überstieg die Anzahl der registrieren Handys die der Personen um ein x-faches. Mit dem Erfolg der Erreichbarkeit durch das mitgeschleppte Handy, kamen indes auch neue Tummelfelder in das Leben jedes Einzelnen, auf denen sich Abzocker, Halunken und andere Kriminelle ausgiebig austoben durften. Ehe der Gesetzgeber einen Riegel vorschob.


Eine weitere, nahezu revolutionäre Entwicklung vollzog sich dann in den Jahren nach dem Millennium. Die Geräte wurden zunehmend multifunktional. Dazu zählt ihre " Webfähigkeit ", eine eingebaute Minikamera mit allem nur erdenklichen Schnickschnack ( je nach Preislage ) sowie ein immer größer werdender Gerätespeicher bis in den unteren, zweistelligen Gigabit - Bereich. Aus dem rudimentären Telefonkästchen entstand ein Handtaschen - Computer. Damit war die individuelle Erreichbarkeit eines jeden Nutzers perfekt. Teilweise konnten jetzt ganze Abteilungen, Arbeitsplätze und Mitarbeiter rund um die Uhr überall und nirgends Produktivität für ihren Brötchengeber garantieren.

George Orwell hätte es nicht besser beschreiben können.

Da dank der Kommunikationstechniken die Privatsphäre inzwischen jederzeit in vielerlei Hinsicht bedroht werden kann, versucht der Gesetzgeber mit ständig neuen Vorschriften das Datenchaos irgendwie in den Griff zu bekommen und wird dafür häufig angefeindet. Um den Einzelnen vor unerwünschten Zugriffen mittels der elektronischen  Möglichkeiten zu schützen, gibt es bereits eine Vielzahl von Gesetzen, deren Regelungen indes nicht immer nachvollziehbar sind.

Da gibt es beispielsweise Handyverbote in den Schulen, bei Prüfungsarbeiten sind diese ohnehin längst nicht mehr erlaubt. Ebenso wenig in Badeanstalten. Wer in öffentlichen Bädern eines dieser Wunderdinge unbedingt mitnehmen möchte, muss es sich gefallen lassen, dass die Kameralinse zuvor mit einem Aufkleber versiegelt wird. Wird der Klebestreifen entfernt, um aus dem Bad Fotos zu machen, kann es passieren, dass der Handynutzer ein Hausverbot erhält.

Da hörte ich zudem heute Morgen auf MDR aktuell im Radio, dass Mediziner über einen zunehmende Zahl von Erkrankungen bei jüngeren Handy - iPhone - oder Smartphone - Dauernutzern berichten. Es wurde vermehrt von angeschwollenen Daumenbereichen berichtet, was regelmäßig auf eine Sehnenscheidenentzündung hindeutet. Durch das permanente Wegwischen der aufgerufenen Internetseiten und das exzessive Daddeln mit den geliebten Geräten werden die Sehnen  so stark belastet, dass es zu einer Überbeanspruchung kommt.

Die Nachteile der ständigen Gerätenutzung sind eben nicht wegzudiskutieren - Erreichbarkeit, Spass und Angeberei hin, Gesundheit her!

Hach, was war das für eine entspannte Zeit, so vor zirka 22 Jahren! Und dann???


" Twilight " - " Day And Night " - 1975:


   


 

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