Freitag, 13. Juli 2018

Zucchini verloren, Mahlzeit gefunden!




Als wir gestern auf dem Rückweg vom Bahnhof Dresden - Plauen auf der Mitte der " Fritz Schulze - Straße " gingen und uns den Baufortschritt der dort hoch gezogenen Wohnanlage ansahen, stutzte meine bessere Hälfte beim Weitergehen. Da lag doch tatsächlich eine Zucchini auf dem Boden. Genau zwischen einem Wertstoffcontainer und einem Bäumchen. Die Frucht war in einem top Zustand, was sich jedoch weder von dem kleinen Baum, noch von dem Gehsteig sagen lässt.

Ich nahm die Zucchini vom mit Split, Steinchen und Sand aufgefüllten Gehsteig auf und klemmte sie unter meinen Arm. Eine richtig stattliche Gartenfrucht legte so ihren Weg zurück. Wenige Minuten später landete sie in der Küche. Ihr Schicksal war damit besiegelt, denn wir planten die grüne Frucht bereits in unser Wochenendmahl ein.

Arme Zucchini! Nur, wo kommst du her?

Wir erklärten uns den Fund damit, dass ein Laubeinpieper seine Zucchiniernte bereits erledigt hatte und beim Abtransport der Gartenfrüchte jenes gefundene Exemplar verloren haben musste. Ich hatte ja einige der Kleingartenfans gesehen, wie sie mit einem DDR - Moped, das ein selbst konstruierten, einachsigen Anhänger hinter sich her zog, die darauf liegenden Gurken, Kürbisse und auch Zucchinis abtransportierten. Was war also näher liegend, als meine Vermutung, dass diese Gartenfrucht beim Transport von dem Gefährt gefallen war? Als studierter Jurist halte ich es dann und wann mit der Logik und die sagte mir: " So war´s! §

Heute, am Freitagnachmittag, also einen Tag nach dem Zucchinifund, stieg ich die Betontreppe zum Plauener Bahnhof hoch. Es war warm, denn der Sommer kehrte nach einem kurzen Regen - Intermezzo wieder zurück, Bedächtig stieg ich Stufe für Stufe empor. Es stank, wie üblich, nach Urin. Auf einigen Treppenstufen lag der Zivilisationsmüll. Zigarettenschachteln, Verpackungen eines Fast Foot Fraßes, vermengt mit Speichelresten und sonstigen, eher unappetitlichen Hinterlassenschaften der dauerfrustierten Abhänger auf diesem Platz, den ich lieber von weitem sehe,

Als ich die letzten Stufen erklommen hatte, schweiften meine Blicke nach links. Dort hatten die Testosteron gesteuerten Vandalen eine Holzplatte aus der Verkleidung des unansehnlichen Holzaufbaus heraus gebrochen. Und in diesem Quadrat lag sie, eine grüne Zucchini. Was in des Teufel´s Namen hat eine so appetitliches Ge,üse an einem derart verdreckten Ort zu suchen? Welcher Barbar wagte es, diese dort abzulegen? Woher stammt die Gartenfrucht, die mir sofort ins Auge fiel?

Aus einem Supermarkt? Dann wäre sie bestimmt gestohlen worden. Von einem Einkauf? Dann müsste sie dort vergessen worden sein. Oder gar aus einem nahe gelegenen Garten? Dann wäre sie ebenfalls gestohlen worden?

Während ich noch herum grübelete, fuhr der Zug von Chemnitz ein. Ich zeigte meiner besseren Hälfte die Entdeckung. Dann steckte ich den Fund in den Textil - Tragbeutel und schleppte ihn nach hause. Aus Eins mach´Zwei!

Unterwegs rätselten wir, wie die Zucchini zum Plaeuner Bahnhof gelangt sein könnte?

Ich hatte jetzt eine neue Version, einen weiteren, jedoch noch abwegigeren Ansatz entwickelt. Die beiden gefundenen Früchte stammen aus einem, in der Nähe gelegenen Kleingarten. Dort sind in der Dunkelheit Fremde eingedrungen und haben die Zucchinis abgeerntet, sie anschließend mitgenommen und jeweils an den Fundstellen abgelegt. Doch: Was macht es für einen Sinn?

Eigentlich überhaupt keinen. Es sei denn, der Kleingärtner, der Laubeinpieper, soll geärgert werden. Warum auch immer? Vielleicht gab es irgendwann dort Streit. Oder es war einfach nur ein so genannter Streich, ein dumme Jungenstreich, eben?

Ich erinnerte mich dabei, dass wir als Volksschüler in den unteren Klassen einem Kleingarten, der neben dem Friedhof in Bad Eilsen lag, einige Male einen unerlaubten Besuch abstatteten, Wir liefen einfach nach der Schule quer über den Friedhof zu dem Pachtland und stöberten dort herum. Eines Tages entdeckten wir dass die Tür zu dem dort stehenden Schuppen offen gelassen war. Wir wagte uns in die Bruchbude und klauten einige Gegenstände daraus, Eigentlich war es eine völlig sinnlose Aktion, aber sie reizte uns, auch am nächsten Tag dort hinein zu gehen. Das war ein großer Fehler, denn plötzlich schnappten uns die Besitzer des Gartens, die gegenüber in der Mietwohnung hausten.

Wir machten uns vor Angst beinahe in die Hose. Das ältere Ehepaar zog uns an den Jacken und dem Arm aus dem Schuppen, beschimpfte uns und fragte nach unserem Namen. Danach erschienen die beiden Erwachsenen bei unseren und den Nachbareltern, um sich bei ihnen über uns zu beschweren,
Nun, ja, es war eben nur ein Streich. Die geklauten Sachen haben wir wieder heraus. Damit war die Angelegenheit erledigt.

Vielleicht waren es auch ein paar gelangweilte Schüler, einige Jugendliche, die ihre Zeit mit solchen Streichen verkürzen wollten und die die beiden Zucchinis vom Beet in einem der vielen Kleingärten geklaut hatten und diese aus Jux und Dollarei auf ihrem Rückweg dahin ablegten, wo wir sie später gefunden hatten.

Sommerferien können doch so lang und so öde sein, wenn sich die Eltern ( besser: das Elternteil ), keinen Urlaub leisten können.




Mike Bloomfield und Taj Mahal " " One More Mile To Go " - Live At Fillmore East 1969:




   

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